| Mexiko's zweifelhaftes |
Mexiko kann heuer im März ein großes, wenngleich
zweifelhaftes Jubiläum feiern: Die Partei der Institutionalisierten
Revolution (PRI) wird 70. Wenn auch ihr Stern seit den letzten,
weniger erfolgreichen Wahlen im Sinken begriffen ist, so war
sie dennoch seit ihrer Gründung ununterbrochen an der Macht.
Die PRI ist somit seit dem Ende der Sowjetunion die am längsten
regierende Partei der Welt.
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| Jubiläum: 70 Jahre PRI |
Dieses Faktum brachte allerdings auch mit sich, was die Einparteienherrschaft
in der Sowjetunion kennzeichnete: Die Verwaltung ist von Korruption
durchsetzt, drängende Probleme wie der Kampf gegen die Drogenkriminalität
werden nicht in Angriff genommen, und die von Präsident
Ernesto Zedillo angekündigte Demokratisierung von Partei
und Staatsapparat kommt nur langsam voran.
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| Politik für eine Elite, |
Was dem Präsidenten von manchen zugute gehalten wird,
ist seine Wirtschaftspolitik. Nachdem der Peso nach einer Krise
1994 drastisch abgewertet werden mußte, gibt es seit 1997
wieder einen deutlichen Aufwärtstrend. Dieser stützt
sich im wesentlichen auf Auslandskredite auf stark anwachsende
Exporte und Reformen im Bereich der Geldpolitik. Impulse kamen
auch durch das Nordamerikanische Freihandels-Abkommen (NAFTA),
das Mexiko und Nordamerika seit fünf Jahren enger aneinander
bindet. Mexiko ist dadurch als "Tor zum amerikanischen Markt" auch
für europäische und asiatische Unternehmen interessanter
geworden.
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| große Probleme für
die |
Doch diese Politik kam letztlich nur einer relativ schmalen
Elite zugute und hat viele Schattenseiten. So gilt Mexiko als
eines der meistverschuldeten Länder der Welt. Durch den
Abbau der Zollschranken durch NAFTA hat sich der Handelsaustausch
mit den USA und Kanada zwar so stark erhöht, daß Mexiko
der wichtigste Bekleidungs- und Textillieferant der USA wurde.
Doch ist die mexikanische Wirtschaft dadurch in enorme Abhängigkeit
geraten. Vor allem die Maquiladora-Industrie ist stark angewachsen,
bei der im unmittelbaren Grenzbereich der USA Vorprodukte für
den US-Markt verarbeitet werden, die zuvor aus den USA importiert
wurden. Dies bringt einerseits der mexikanischen Volkswirtschaft
wenig Geld, zum anderen sind in diesen Produktionsstätten
die Arbeitsbedingungen schlecht und die Sozialstandards und Löhne äußert
niedrig. Die Reallöhne sanken in Mexiko zwischen 1977 und
1990 um mehr als 50 Prozent. Erst 1997 verbesserte sich die Situation
leicht. Die Landwirtschaft bietet für rund die Hälfte
der Bevölkerung eine Lebensgrundlage - allerdings nur eine
schlechte. Die Strukturen sind veraltet, der Anteil der Landwirtschaft
am Bruttoinlandsprodukt betrug 1996 nur noch 5,2 Prozent. Verschlimmert
wird die Lage durch Naturkatastrophen wie den Hurrikan "Mitch",
der Ende des Vorjahres einen Teil Mexikos streifte, und durch
Klimaphänomene wie "El Nino". Eine florierende Branche ist
der Tourismus. Mexiko hat aufgrund seiner schönen, langen
Küsten und der kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten
viel zu bieten.
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| Mehrheit der Bevölkerung! |
Nach wie vor problematisch ist die Lebenssituation der indigenen
Bevölkerung. Diese lebt vor allem als Kleinbauern in den
drei Provinzen Chiapas, Guerrero und Oaxaca. Bei einer Volkszählung
vor vier Jahren deklarierten sich rund neun Millionen der insgesamt
94 Millionen Einwohner Mexikos als Indigenas. Sie gehören
56 ethnischen Gruppen an und sprechen 59 Dialekte. Fünf
große indianische Sprachgruppen lassen sich bis heute festmachen.
Der Großteil dieser Menschen lebt in Armut und ist Repressionen
seitens des Militärs ausgesetzt. Guerillla-Bewegungen und
paramilitärische Gruppen haben zwar offiziell ein Waffenstillstandsabkommen
geschlossen. Vor allem in den Dörfern kommt es aber immer
wieder zu Gewalt. In Chiapas harren rund 20.000 Indios, die aus
politischen Gründen von Heim und Herd vertrieben wurden,
in Flüchtlingslagern aus. Die Regierung hat bis heute keine
zivile Antwort auf die Spirale der Gewalt gefunden. Die Forderungen
der Indios nach Land, Autonomie und einem Ende der Diskriminierung
wurden in einem Teilabkommen 1996 auf dem Papier befriedigt.
Das Abkommen wurde aber bis heute nicht umgesetzt. |